Pieces — 18. February 2012 08:26

My Favorite Magazine of the Year 2011

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Ausgerechnet Tyler Brûlé mag das iPad nicht. Ausgerechnet Mr. Zeitgeist! Erfinder des legendären Wallpaper Magazine.  Media Maverick. The World’s Most Influential Highbrow Magazine Publisher. (Komm Daniel, einer geht noch!) Best-dressed Editor-in-Chief and Guiding Tastemaker on the Planet called Global Affairs, Business, Culture & Design. Ausgerechnet Tyler.

Auf die Frage “How important is the iPad?” antwortete Brûlé den Bloggern von FashionweekDaily.com:
“Either the iPad is going to be the most revolutionary delivery system for media ever invented, or it’s going to be a great presentation tool for PowerPoint. The main thing is that we shouldn’t confuse the fact that it’s a delivery device. It’s not media. You still have to feed the thing. Truth be told, I’m very concerned for publishers who have chucked a hell of a lot of development money into making something that works on the iPad. Listen, guys: If your magazine isn’t working at the moment in print or on the Web, this isn’t going to save you!”

In Search of Excellence: Mein Lieblingsmagazin 2011

Auf der Suche nach meinem Lieblingsmagazin des vergangenen Jahres häufte sich schnell ein ansehnlicher Stapel großartiger Publikationen auf einem ebenso großartigen Stuhl. Neuerscheinungen wie Aortica, The Weekender, The Travel Almanac, Varon, Port oder Scenario. Etablierte wie Anorak, ramp, Apartamento, Fantastic Man / the gentlewoman, Monocle, Elephant, POP. Alle ziehen bis an die Zähne bewaffnet in den gnadenlosen Kampf am Kiosk: eigenständiges Redaktions- und Gestaltungskonzept, hochwertige Ausstattung und Fotografie, umwerfende Themen und Texte, spannende Formate, teilweise aufwändige Illustrationen, spektakuläre Papierwechsel undundund.

Ein Klassiker macht das Rennen

To cut a long blogpost short: The winner is … Monocle! Seit der Erstausgabe im März 2007 bin ich enthusiasmiert. Ähnlich wie 1998 Gabriele Fischer mit Econy bzw. brand eins (1999) hat Tyler Brûlé vor fünf Jahren ein Magazin gegen jede verlegerische Vernunft entworfen und zum maximal miesen Zeitpunkt gelauncht. Heute sind alle vier Legende: Fischer und Brûlé, brand eins und Monocle. Was an Letzterem so großartig ist, dürfte hinreichend bekannt sein; Leser und Konzept bringt die NYTimes.com auf den Punkt: “If Wallpaper targeted snowboarders who had made their first killing, Monocle targets the same reader after a decade of running a multinational corporation. A worldliness is assumed. Each issue is the size of a Sotheby’s catalog, printed on upward of nine different paper stocks, crammed with extremely niche articles about carbon-neutral airlines in Costa Rica and sleek Afghan restaurants in Dubai.”

Wer’s wissen will, um es zu sehen, um es zu fühlen, dem lege ich die 210 Seiten starke, aktuelle Ausgabe an’s Herz, die gleichzeitig das “Fifth Anniversary Issue” ist und ein sehenswertes, 16-seitiges Special zu den ersten fünf Jahren Monocle enthält.

Monocle Almost All-Around: Website, TV, Radio, App, Shop, Podcast

My Favorite Magazine auch deshalb, weil Monocle es geschafft hat, schwarze Zahlen zu schreiben (seit 2010), weil sie Anfang 2012 so frisch ist, wie Anfang 2007 und weil sie ein vorbildliches cross-media / cross-channel Storytelling betreibt. Die Website übersetzt das Magazin Kanal adäquat ins Web und featured neben einer täglichen Kolumne weiteres eigenständiges (Bewegtbild-)material. Dazu kommen zahlreiche (Video-)Podcast via iTunes. Sehr empfehlenswert ist Monocle Weekly, eine anderthalb- bis zweistündige Sendung aus dem Midori House. Immer Sonntags mit Interviews, Features, Musik und Co. entlang den Schwerpunkten des Magazins. Seit Ende 2009: Monocle Stores. Seit Ende 2010: Monocle TV auf Bloomberg. Seit Ende 2011: Monocle 24, ein Radioprogramm rund um die Uhr mit wunderschöner App. Hört sich natürlich auch hervorragend über das speziell für Monocle gefertigte Radio (Rams-Alarm!) oder aus dem Bose Soundlink.

Neben den zehn Printausgaben pro Jahr gibt es noch zwei “Anti-iPad-Devices” (T. Brûlé): Mediterraneo im Sommer, Alpino im Winter. Gesetzt aus der Plantin, im Tageszeitungsformat (460 x 590 mm), Umfang ca. 64 Seiten, Preis: 6 Euro. Bleibt die Frage: Was lässt Tyler aus? Antwort: Das Social Web. Twitter Channel wieder offline, kein Facebook,  auf der Website kein comment, share, like, +1. Einfachste Erklärung with a *wink*: 1. Earned Media ist dem Owned Media Mogul grundsätzlich suspekt. 2. Das Design dieser Kanäle entspricht nicht seinen ästhetischen Ansprüchen.

Die NY Times dagegen vermutet: “This is one reason Mr. Brûlé has no plans for a Monocle magazine app yet: on an iPad, no one can see you reading Monocle. “So many media companies these days forget the power of the brand, of people actually displaying, and wearing, the media brand,” he said. “In public circumstances where you have to choose a seat, you can look at a person’s shoes, you can look at their luggage, and oftentimes, it’s interesting to see what they’re reading as well. ‘Do I want to be near that person or not?’”

iPad – da war noch was: Astronaut Video/Magazine

Es gibt noch ein zweites Favorite Magazine 2011: Astronaut Video/Magazine, ausschließlich für’s iPad konzipiert. Wer 2,99 Euro investiert und den 1,1 GB Download hinter sich bringt, erwirbt ein inspirierendes Wisch-Werk, zudem “drop-dead beautifully designed”, wie Tyler vermutlich sagen würde. Insgesamt 80 Minuten Videomaterial, dazu Fotoserien und Texte. Die Interviews, Portraits, Dokus drehen sich um “people with a passion to create”. Alles schön indie, interaktiv, und hervorragend zu navigieren.

Zur iPad App gibt es ein Blog und eine Fanpage, auf beiden ist seit der ersten Ausgabe im Sommer 2011 nicht viel los – Ressourcenfrage, nehme ich an. Denn im Idealfall sitzen Michael Brock und seine Crew mit Hochdruck an Volume 2 (war für Herbst 2011 angedacht). Eines wird jedenfalls auf den ersten Wisch klar: Astronaut wird aus den essenziellen Zutaten der Haut Magazine Cuisine hergestellt: Leidenschaft und Zeit. Hier ein kurzer Trailer.

Vielleicht hat Mr. Brûlé seine Meinung zum iPad mittlerweile revidiert. Vielleicht hat er sich qua Willenskraft auch einfach nur für das Blackberry Playbook entschieden, das sehr regelmäßig in Monocle beworben wird (Blackberry ist wiederum Kunde von Brûlés Agentur Winkreative) und für das es eine eigene Monocle-Hülle gibt.

Fakt ist: Monocle könnte man nicht besser machen. Dieser Gedanke “erschüttert” mich zehnmal im Jahr. Und das ist gut so. Mein Wunsch für 2012: Mehr Magazine von dieser Qualität. Egal ob auf acht unterschiedlichen Papieren oder auf dem iPad…

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