Pieces — 11. February 2012 07:09

(App) Photography Revolution

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Die always-on Schnappschusslust kam mit dem iPhone. Dann kam der Vier-Megapixel-Sensor, beim iPhone 4S sind es mittlerweile acht. Ich frage mich oft, welcher Anlass es wirklich wert ist, die Canon EOS 60D mitzuschleppen. Die Megapixel sind aber nicht die Revolution. Auch nicht, dass mehr Menschen mehr Fotos machen, weil sie die Kamera immer dabei haben und das Zeigen, Schicken, Sharen so einfach geworden ist. Die Revolution sind die Apps mit ihren teilweise sensationellen Filtern.

Meine These: Wer ein Auge für Bildausschnitt und -aufbau hat und ein Händchen fürs Belichten und Beschneiden, der macht mit dem iPhone 4* Fotos, die von der Ästhetik her professionellen Ansprüchen genügen. Ohne Photoshop, Lightroom und Co. 

Durch die Apps werden viele Fotos besser, es ist fast ein bisschen wie mit Ikea: Die Möbel sind nicht vom Schreiner und nicht vom Designer (im Sinne eines A&W Designer of the Year). Aber sie sehen so aus und sorgen dafür, dass halb Deutschlands Wohnungen heute besser eingerichtet sind als früher. Und genau dann wird aus First-Mover-Trend und Early-Adopter-Geheimtipp die eine Revolution: wenn die Masse mitmacht.

Wo ist der Haken an der Sache?

Es gibt zumindest drei kleine Häkchen. Zum einen entscheidet die Smartphone-Kamera, was ich unter welchen Umständen fotografieren kann. Prinzipiell gilt, je mehr Licht desto besser. Bei den einzelnen Apps und Filter bekommt man ziemlich schnell heraus, dass sich “Diana” von Path nicht für Hauttöne eignet oder “PolaRoid” von Hipstamatic nichts für Sonntage ist. Richtig gute Bilder entstehen also nur, wenn Situation, Kamera/Sensor und App/Filter perfekt zueinander passen. Damit muss man einfach leben; und das geht ganz gut, meine ich.

Zweites Häkchen: Die Bildqualität im Sinne der Größe und Auflösung ist begrenzt. Allerdings braucht man auch nicht von jedem Bild ein Poster.

Das dritte Häkchen an der Sache ist gar keines, sondern ein gern geschürtes Vorurteil. “Weil die Leute nur noch digital fotografieren, entwickelt keiner mehr Fotos und die Millionen Bilder versauern auf irgendwelchen Festplatten!” Naja, “entwickeln” bedeutet heute ja auch veröffentlichen. Millionenfach geschieht das auf  Flickr, Twitter, Facebook, Google+, Tumbler, Instagram etc. Und: Fotobücher beginnen gerade erst so richtig abzuheben. An den zahlreichen Anbietern, den vergleichsweise niedrigen Preisen und der perfekten Logistik kann man ablesen, dass das kein Nischen-Business mehr ist. Mein Gefühl sagt mir: Es werden nicht weniger Fotos “entwickelt” als früher, eher mehr.

Vintage-Exzesse und Sepia-Orgien

Natürlich: Es entstehen auch weiterhin viele schlechte Fotos. Und angesichts mancher Vitage-Filter-Exzesse, Blurring-Overkills, Vignetten-Massaker und Sepia-Orgien muss man zwangsläufig an das Hauptwerk von Oswald Spengler denken. Aber hey – es hilft schon mal, die guten von den schlechten Apps zu scheiden. Deshalb ein paar persönliche Empfehlungen:

Foto-Apps

1. QuadCamera (USP: Reihenbelichtungen), 1,59 €, AppStore
2. Camera+ (USP: richtig viel an Bord), 1,59 €, AppStore
3. RetroKamera (USP: Vignetting, Filter), 1,59 €, AppStore
4. 8mm (USP: Filmen mit Vintage-Filtern), 1,59 €, AppStore
5. Instagram (USP: Viralität, Live-Filter), kostenlos, AppStore, Website
6. Hipstamatic (USP: Filter, v.a. schwarz-weiß), 1,59 €, AppStore
7. Slow Shutter Cam (USP: Langzeit, Bewegungsunschärfe), 0,79 €, AppStore

Filter

1. Diana von Path (Kontraste und Farben bei gutem Licht, s. Nagelbild oben)
2. Cinematic von Bleach Bypass (Kontraste, Vignettierung)
3. John S Lens mit Kodot-Film (Menschen, Gebäude, Natur bei viel Licht)
4. 1920 von 8mm (SW-Film mit Dreck, Kratzern, Flackern. Das gute Super-8-Gefühl ;-)
5. Vivid von QuadCamera (Menschen, warme Farben)

Mehr, mehr, mehr..?!

Einen guten App-Überblick bietet die Seite “App Store Essentials Kamera und Fotografie” in iTunes. Alle verfügbaren Apps im deutschen Store sind nach den Kategorien Aufnehmen, Bearbeiten, Zeigen sortiert. Stichwort einfach in die Suche eingeben.

Infos, Tests und Details findet Ihr im Foto-App-Blog http://foto-apps.com

Einen guten Vergleich iPhone 4S versus Kompaktkamera gibt es hier.

Wer in Sachen Foto-Apps auf dem Laufenden bleiben möchte, sollte 0,79 € in die App-Suche-App Discovr investieren. Einfach den Namen einer bekannten Foto-App eingeben, dann werden aus einer Mischung aus Algorithmus und redaktionellen Empfehlungen weitere Apps vorgeschlagen, durch die man sich auf einer grafisch schönen Oberfläche durchklicken kann.

Lasset den Worten Bilder folgen..!

Und hier nun mein Proof: iPhone-Fotos aus den letzten zwölf Monaten – ganz unterschiedliche Motive, teilweise mit Filter aufgenommen, teilweise ohne. Aber: Nichts nachbearbeitet, schon gar nicht außerhalb des iPhones…

(* oder auch mit anderen Smartphones)

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4 Comments

  • Recht iPhone lastig, der ganze Artikel, oder? Alter Fanboy. Nichtsdestotrotz: Mich würde mal interessieren, was die diversen Objektivaufsätze leisten, die man sich mittlerweile kaufen kann (leider nur für iPhones, so weit ich weiß).

    Jetzt, wo Smartphones den Markt für Kompakte mehr oder weniger versaut haben, und Hersteller Hilfe (und Umsatz) suchend auf Compact System Cameras setzen, könnten solche Smartphoneaufsätze auch diese junge Sparte bedrohen?

  • Lieber Sebastian, mit dem Fanboy hast du recht :-) Leider habe ich im Januar ein Fotomagazin weggeworfen, in dem vier Aufsätze für’s iPhone 4 getestet wurden. Allerdings habe ich in Erinnerung, dass nur das Fisheye akzeptabel abschnitt. Durchgefallen war ein richtig teurer Aufsatz von Zeiss. Bleibt aber in den nächsten zwei Jahren noch Nische, weil das Zeug dem Prinzip Smartphone (Westentasche) widerspricht. Denke eher, dass die Onboard-Kameras noch mal einen Quantensprung machen.

  • Gutes Beispiel für hochwertige iPhone-Fotografie gerade auf Pinterest gefunden: http://pinterest.com/bonnietsang/bonnie-s-iphone-photos

  • Hi Daniel, tolle Zusammenstellung – und danke für die Erwähnung!

    Gute Bild-Idee gewinnt eben über Equipment – ohne Idee und Auge wiederum hilft auch die beste App/ Kamera nix ;-)

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